Monats-Archiv: Juni 2018

Den Wandel leben und Haltung zeigen: Ein Gang mit Dorothee Junck durch den Buchladen

„Ohne Social Media gäbe es den Buchladen vielleicht nicht mehr.“

Dorothee Junck ist Inhaberin des Buchladens. Jetzt gerade nippt sie nachdenklich an ihrem Kaffee, denn ich fragte sie, was sich in den letzten zehn Jahren ihrer Wahrnehmung nach verändert hat: Im Buchladen, in der Straße, in Nippes. 2007 übernahm sie mit ihrem Bruder die Buchhandlung im Kölner Norden. Seitdem ist vieles im Umbruch, ob im Buchmarkt, im Einzelhandel, in der Stadt, in der Gesellschaft.

Der Buchladen Neusser Straße steht für engagierte und gelebte Nachbarschaft. Ob im Alltag oder bei den ganz unterschiedlichen Veranstaltungen gibt es zahlreiche Anlässe, gleichgesinnten Menschen zu begegnen. Um den Buchladen und Dorothee herum hat sich ein familiär geprägtes Netzwerk entwickelt. Die Liebe zum Buch und zum Lesen wird im Buchladen gelebt.  Was man auch den bisherigen Gesprächen mit Mitarbeiter*innen des Buchladens hier im Blog recht gut entnehmen kann.

Doch im Vergleich stand das Buch gesellschaftlich vor zehn Jahren mehr im Fokus. Neben TV und Radio hatte es einen gleichberechtigten Stellenwert. Inzwischen hat die Medienvielfalt wie auch die Medienpräsenz im Alltag deutlich zugenommen. Die Mediennutzung hat sich verändert: Inhalte wie Serien oder Podcasts sind durch Streaming jederzeit abrufbar, Familie und Freunde dank Smartphone und Social Media immer dabei.

Das Leben sei außerdem enger durchgetaktet, hört Dorothee im Gespräch mit den Menschen im Laden. Selbst Freizeit ist häufig strikt durchorganisiert. Wieviel Raum bleibt fürs Lesen? Wieviel Muße bleibt, um den Geschäften im eigenen Viertel einen Besuch abzustatten?

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Lesen hilft, den eigenen Weg zu finden: Ein kleiner Gang mit Sara Otto durch das Jugendbuch

Das Setting: Zwei Cappuccino, zwei Menschen, viele Bücher

Sie ist gerade eben zurück aus Portugal: Ich sitze mit Sara Otto im Wernhers im Nebenan. Wir sprechen übers Wandern, über das Gehen und das Lesen. Und über das Jugendbuch. Sara leitet das Kinder- und Jugendbuch im Buchladen. Auch Science-Fiction und Fantasy gehören dazu. Wie schon von Guido für die Literatur möchte ich von Sara wissen, worum es ihrer Wahrnehmung nach momentan im Jugendbuch geht. Welche Themen werden verhandelt? Gibt es einen bestimmten Sound im aktuellen Jugendbuch?

„Über Bücher können so viele Gespräche entstehen!“

Und man merkt Sara gut an, dass sie während ihrer Wanderungen durch Portugal einige dieser Gespräche hatte. Sie erzählt, dass es ihr ein Anliegen ist, genau das zu vermitteln: Dass man über Bücher miteinander in Kontakt kommen kann. Aber auch: Dass man mit sich selbst in Kontakt kommen kann. Lesen kann geradezu befreiend wirken, denn durch Geschichten und das Hineinversetzen in andere Menschen, Verhältnisse und Zeiten eröffnen sich Möglichkeiten und Ideen, wie Leben sein kann. Das kommt gerade im Jugendbuch zum Tragen, wenn es gilt, sich einen eigenen Weg zu suchen, für eigene Ideen und Vorstellungen einzustehen und Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Da sind wir dann auch bei den Büchern, die Sara zuletzt besonders auffielen. Weiterlesen »

Gesammelte Werke: Ein Blick nach Georgien und auf alltägliche Wunder

Folge den Buchstaben: Georgia Made By Characters

Vor einigen Tagen suchten Bloggerinnen und Blogger die Hauptstadt von Georgien heim. Im Rahmen einer Blogger- und Pressereise erkundeten sie auf Einladung des diesjährigen Ehrengastes der Frankfurter Buchmesse Tbilisi (Tiflis) und die georgische Literatur.  Schon die ersten Beiträge ließen uns an der Forschungsreise etwas fernwehkrank teilnehmen, wenn der literarische Nerd Florian Valerius, Karla Paul aka Buchkolumne oder Matthias Warkus bei 54books von den Begegnungen mit georgischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern erzählten und die Stadt, sich selbst nebst Mitreisenden in ausgesprochen schöner Kulisse inszenierten.

Im Blog von Stefan Mesch und anhand der Bilder im Facebook-Account des Bücher Magazins lässt sich erahnen, dass die Reisegruppe bestens beschäftigt war. Und wer einige Eindrücke im Bewegtbild sehen und hören möchte, findet diese sowohl bei Stefan Mesch auf Youtube  (die Musik, toll!) wie auch im Video-Beitrag von Stehlblüten.

Schon seit einer Weile lassen sich in Social Media die Vorbereitungen des Ehrengastes verfolgen: Bei Instagram, TwitterYoutube und Facebook. Das alles und die vielen angekündigten und bereits erschienen Bücher macht uns sehr neugierig auf Georgien als Gastland. Lesen bringt Menschen zusammen.

Lesen verbindet. Lesen hilft.

Davon sind wir auch überzeugt. Dass nicht jedes Bemühen um mehr Lesende glückt – ja. Leander Steinkopfs Artikel in der ZEIT beginnt kritisch, prangert unehrliche oder nicht zutreffende Werbung fürs Buch an und kippt dann endgültig: In Liebe zum Lesen. Und wir freuen uns über anerkennende Sätze:

Es liegt in der Natur des Buches, dass es schwierig, ja strapaziös ist, eines zu finden, das einem richtig gefällt. Es gibt nicht viele Güter, die unter hohem Zeitaufwand komplett konsumiert werden müssen, bevor ein verlässliches Urteil über ihre Qualität gefällt werden kann – oder über ihre Passung. Buchhändlerinnen und Kritikerinnen befassen sich mit dem Problem. Die Händlerin, die ihre Kunden kennt, entwickelt ihre Instinkte, vollbringt damit alltägliche Wunder.

„Damals war ich fünfzehn, …

und an diesem Tag wurde mir bewusst: eine Buchhandlung enttäuscht dich nie, sie ist dein Freund.“

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