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„Fängt gut an“: So war der erste #lesemittwoch

Es fällt zwar schwer, wegen #CROENG, aber: “In alten, alten Zeiten, als die Menschen noch in ganz anderen Sprachen redeten, gab es in den warmen Ländern schon große und prächtige Städte.“

Das twitterte Annette Philippen. Dass wir völlig übersehen hatten, dass am 11. Juli ein Halbfinalspiel der Fußballweltmeisterschaft ist, nun – unsere Leidenschaften gelten offenkundig anderen Ereignissen. Vom ersten Lesemittwoch ließen wir uns nicht abhalten.

Lesemittwoch: Die Idee

Wir eröffnen einen digitalen Raum, um eine Stunde miteinander, aber örtlich voneinander unabhängig miteinander zu lesen. Unter dem Hashtag #Lesemittwoch lassen sich Sätze und die Lektüren mit den anderen teilen. Was passieren könnte: Es entsteht eine zwanglose und im Ideellen wie im Tun verbundene Lesegemeinschaft.

Und dann ging’s los

Die Resonanz auf unsere Idee stimmte uns hoffnungsfroh. Es gab viele freudige Rückmeldungen, auch von Kolleginnen aus anderen Buchhandlungen, Bibliotheken und Verlagen.

Das Wetter spielte mit: „Heute ist #lesemittwoch. Passend dazu regnet es in #Duesseldorf, gibt also keine Ausrede. ☔️twitterten die Stadtbüchereien Düsseldorf.

Unser Auftakt bei Twitter und bei Instagram. Und in der Veranstaltung bei Facebook sammelten sich die Beiträge der Lesenden. (Mobil zeigte Facebook leider nicht an, dass wir einige bestätigen mussten … Haben wir dann heute flugs nachgeholt!)

Die ersten Sätze wurden gepostet, die Titel der Bücher, die gelesen werden, einige Meldungen, dass man erst Fußball, aber dann!

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Der ideale Romananfang, große Kunst im Sachbuch – und ein Dilemma: Ein Gespräch mit Fernando Aco, Verlagsvertreter

„Das ist ja nun ein bunter Strauß an Fragen, deren endgültige Beantwortung wahrscheinlich die unausweichliche Verbesserung der Welt zur Folge hätte. Ach, wäre das schön!“

Allein schon mit dieser Reaktion hatte er mich: Fernando Aco ist Verlagsvertreter. Er reist für dtv Unterhaltung, dtv Literatur, dtv Sachbuch, Orell Füssli Sachbuch, dtv Beck, das Erwachsenenprogamm Der Audio Verlag, und Klett-Cotta. Und er ist ein Freund des Buchladens. Vor wenigen Wochen reiste er mit dem Herbstprogramm an.

Eigentlich wollten wir unser Gespräch fürs Buchladenblog bei dieser Gelegenheit führen – doch das Leben wollte es anders und ich sendete Fernado Aco meine Fragen per E-Mail. Ein bunter Strauß, fürwahr. Und ich freue mich, dass sich Herr Aco während der intensiven Reisezeit für uns Zeit nahm.

Standbild aus unserem Youtube-Video über Vertreterbesuche von 2014

Charaktere, die man nicht vergisst

Lieber Herr Aco, Sie reisen für den dtv Verlag, einer der größten Publikumsverlage in Deutschland. Welche Themen werden Ihrem Eindruck nach in der Literatur aktuell intensiv verhandelt, welche im Sachbuch? Welche Bücher, die Sie zuletzt lasen, sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? Vielleicht Sätze oder bestimmte Figuren?

„Mir fallen viele ausgezeichnete Bücher der letzten Jahre ein, die nicht gerade mein Leben, aber zumindest Momente desselben beeinflusst haben. Darunter sind viele Jugendbücher, die so ausgezeichnet sind, dass die Charaktere mir als Erwachsenem und sicher auch den Kinder und Jugendlichen nachhaltig in Erinnerung bleiben werden.“

Ich denke an das Gespräch mit  Sara übers Jugendbuch und nicke innerlich. Diese Kinder- und Jugendbücher fallen Fernando Aco spontan auf meine Frage ein:

  • Alle englischen Klassiker wie Schatzinsel; Robinson Crusoe usw., auch gerne in den adaptierten Jugendfassungen,
  • die Anarchie und das Selbstbewusstsein einer Pippi Langstrumpf sind unbedingt zukunftsfähig,
  • John Green, Eine wie Alaska – und alle seine anderen Bücher,
  • Mikael Engström, Brando [Anmerkung der Fragenstellerin: Oh, und auf dem Cover eine Illustration vom wunderbaren Peter Schössow!],
  • alle Bücher von Colleen Hoover.

Fernado Aco ist überzeugt: „Kinder sollten nach wie vor dem Lesen zugeführt werden. Man sollte sich als Elternteil nicht damit herausreden, dass es früher einfacher war. Kinder haben sich immer gewehrt, wenn es darum ging, in ihre selbstbestimmte Freizeit einzugreifen (tun wir ja auch).“

Nach dem Lesen ist vor dem Lesen

„Auf die Frage, welches Buch mich – sagen wir mal – in den letzten 2 Jahren am meisten beeindruckt hat, kann und will ich kein abschließendes Urteil bilden. Denn sobald ich das eine Buch beendet habe, fällt mir ein anderes, unter Umständen besseres Buch ein und schon wäre alles wieder hinfällig.“ Ich grinse, denn genau das macht die unermüdliche Liebe zu Büchern und zum Lesen womöglich aus. Es nimmt kein Ende. Juhu!

Aber dann nennt Fernando Aco doch einige Bücher, die ihn tief berührten: Weiterlesen »

Lesen verbindet: Wir starten den #lesemittwoch

„Mich macht es selber ganz unglücklich, aber ich komme nicht mehr zum Lesen.“

Das sagen wir selbst. Das hören wir von Euch im Buchladen. Und nun schreiben wir auch noch das Internet voll – und lenken uns und Euch vom Lesen von Büchern ab. Es ist nicht so, dass weniger gelesen wird. Im Gegenteil: Es wird eigentlich soviel gelesen (und geschrieben) wie niemals zuvor. Nur kommt oftmals das konzentrierte Lesen von Texten und Büchern zu kurz, ob digital oder nicht-digital. Die Gründe sind ganz unterschiedliche. Und nicht alle Gründe sind schlecht.

Und doch fällt mitunter ein unzufriedener Blick auf den Stapel angefangener oder noch ungelesener Bücher …

„Silentium!“

Wir helfen uns selbst – und vielleicht auch Euch: Wir schaffen (digitalen) Raum fürs Lesen. Weiterlesen »

Den Wandel leben und Haltung zeigen: Ein Gang mit Dorothee Junck durch den Buchladen

„Ohne Social Media gäbe es den Buchladen vielleicht nicht mehr.“

Dorothee Junck ist Inhaberin des Buchladens. Jetzt gerade nippt sie nachdenklich an ihrem Kaffee, denn ich fragte sie, was sich in den letzten zehn Jahren ihrer Wahrnehmung nach verändert hat: Im Buchladen, in der Straße, in Nippes. 2007 übernahm sie mit ihrem Bruder die Buchhandlung im Kölner Norden. Seitdem ist vieles im Umbruch, ob im Buchmarkt, im Einzelhandel, in der Stadt, in der Gesellschaft.

Der Buchladen Neusser Straße steht für engagierte und gelebte Nachbarschaft. Ob im Alltag oder bei den ganz unterschiedlichen Veranstaltungen gibt es zahlreiche Anlässe, gleichgesinnten Menschen zu begegnen. Um den Buchladen und Dorothee herum hat sich ein familiär geprägtes Netzwerk entwickelt. Die Liebe zum Buch und zum Lesen wird im Buchladen gelebt.  Was man auch den bisherigen Gesprächen mit Mitarbeiter*innen des Buchladens hier im Blog recht gut entnehmen kann.

Doch im Vergleich stand das Buch gesellschaftlich vor zehn Jahren mehr im Fokus. Neben TV und Radio hatte es einen gleichberechtigten Stellenwert. Inzwischen hat die Medienvielfalt wie auch die Medienpräsenz im Alltag deutlich zugenommen. Die Mediennutzung hat sich verändert: Inhalte wie Serien oder Podcasts sind durch Streaming jederzeit abrufbar, Familie und Freunde dank Smartphone und Social Media immer dabei.

Das Leben sei außerdem enger durchgetaktet, hört Dorothee im Gespräch mit den Menschen im Laden. Selbst Freizeit ist häufig strikt durchorganisiert. Wieviel Raum bleibt fürs Lesen? Wieviel Muße bleibt, um den Geschäften im eigenen Viertel einen Besuch abzustatten?

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Lesen hilft, den eigenen Weg zu finden: Ein kleiner Gang mit Sara Otto durch das Jugendbuch

Das Setting: Zwei Cappuccino, zwei Menschen, viele Bücher

Sie ist gerade eben zurück aus Portugal: Ich sitze mit Sara Otto im Wernhers im Nebenan. Wir sprechen übers Wandern, über das Gehen und das Lesen. Und über das Jugendbuch. Sara leitet das Kinder- und Jugendbuch im Buchladen. Auch Science-Fiction und Fantasy gehören dazu. Wie schon von Guido für die Literatur möchte ich von Sara wissen, worum es ihrer Wahrnehmung nach momentan im Jugendbuch geht. Welche Themen werden verhandelt? Gibt es einen bestimmten Sound im aktuellen Jugendbuch?

„Über Bücher können so viele Gespräche entstehen!“

Und man merkt Sara gut an, dass sie während ihrer Wanderungen durch Portugal einige dieser Gespräche hatte. Sie erzählt, dass es ihr ein Anliegen ist, genau das zu vermitteln: Dass man über Bücher miteinander in Kontakt kommen kann. Aber auch: Dass man mit sich selbst in Kontakt kommen kann. Lesen kann geradezu befreiend wirken, denn durch Geschichten und das Hineinversetzen in andere Menschen, Verhältnisse und Zeiten eröffnen sich Möglichkeiten und Ideen, wie Leben sein kann. Das kommt gerade im Jugendbuch zum Tragen, wenn es gilt, sich einen eigenen Weg zu suchen, für eigene Ideen und Vorstellungen einzustehen und Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Da sind wir dann auch bei den Büchern, die Sara zuletzt besonders auffielen. Weiterlesen »