Dieser Roman ist sehr vielschichtig. Die Geschichte ist komplex. Es tauchen viele, viele Themen und Andeutungen auf.
Das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit ist groß. Bei uns allen, vermutlich. Auch Cora möchte dazugehören, sie möchte angenommen, werden, akzeptiert werden und nicht außen stehen. Endlich im Kreis. Sie möchte Teil einer Gemeinschaft sein und sie möchte Teil von etwas Besonderem sein. Sie möchte gesehen und vielleicht auch bewundert werden. Eigentlich wie wir alle, oder?
Ich würde sagen, das ist das, was Cora die ganze Zeit antreibt. Sie lernt Olympia kennen, später noch viele andere und sie leben zusammen in einem Haus in einer Gemeinschaft und bereiten sich auf einen Protest vor. Dieser ist zuerst leise und still, nur auf das eigene Überleben fokussiert.
Wird am Ende immer größer, globaler und auch wütender. Und Coras Rolle dabei ist eine sehr große und dann auch wieder nur eine nebensächliche. Am Ende frage ich mich, ob sie wirklich dazugehört hat oder doch nur wieder am Rand stand. Wann gehört man überhaupt dazu? Wenn man etwas auslöst, bewirkt? Oder auch wenn man einfach „nur“ mitmacht?
Franziska Gänsler hat da wieder einmal ein grandioses Buch hingelegt.
„Was wir wollten, war nur, das Skript der ewig gleichen Rangordnungen zu unterbrechen. Irgendwie, für einen Moment die Verhältnisse drehen.“
Die Fleischtheke des Supermarkts am Tag, Stille bei Nacht: So sieht Coras Leben aus. Bis ihre Kindheitsfreundin Olympia verhaftet wird und alles zurückkommt. Der Sommer, in dem sie sich wiedergetroffen haben, in dem alles gesummt hat in ihr, das Seewasser noch auf der Haut, der Glitzer auf der Cap, die verzierten Fingernägel. Die langen Tage im großen, leeren Haus mit Olympia, die Cora erkennt, wie sie ist. Und wie schnell sie Olympia nicht mehr nur für sich hat nach der illegalen Party, auf der sie zum ersten Mal eine Grenze überschreiten, nach der Olympia so viel Zeit mit Ariel und ihrer Aktivistengruppe verbringt. Während Cora versucht, in der Schule und zu Olympia den Anschluss zu halten, schlägt eine radikale Idee ihre Triebe aus – und Cora verstrickt sich in ein Lügengespinst, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.