"Neben einem Baumgatter steht eine Schaukel. Ich habe da noch nie ein Kind schaukeln sehen, aber die Schaukel schaukelt immer. Es gibt hier kein Kind. Nur Wind."
Es gibt Autor*innen, von denen lasse ich mir alles erzählen. Auch eine Dystopie, die sich als Utopie entpuppt. Sneaker lebt in einer vorstellbaren Welt, vielleicht einer möglichen Zukunft. Der Mensch hat sich abgesichert, gegen Wetter, Pandemien, Gefühle. Mit Konsum lässt sich alles kompensieren. Kontrolldrohnen sorgen für Ordnung. Schöne heile Welt?
Wie gut, dass es natürlich einen Bruch gibt. Einen Aufbruch nach einem Sturm. Sneaker kommt in Kontakt mit Livt und zusammen schließen sie sich den "Freien" an.
Für die Älteren unter uns: Ich fühlte mich in guter Weise an Die Dreibeinigen Herrscher erinnert, die Fernsehadaption einer Science-Fiction-Reihe aus den 1960ern. Nur dass wir inzwischen gar keine Monster mehr benötigen, um uns die Welt zu einem unfreien Ort zu machen.
Für "Mädchenmeute" erhielt Kirsten Fuchs den Deutschen Jugendliteraturpreis. Und auch "Sneaker" ist ein Buch, das ich Jugendlichen wie Erwachsenen ans Herz legen möchte. Es knipst innerlich ein Licht an.
Sneaker wächst in einer seltsam heilen Welt auf. Vor Wetterkatastrophen und Pandemien bietet das Smarthome Schutz, gegen Gefühle gibt es Blocker, bei Langeweile lässt sich immer ein neues Paar Turnschuhe bestellen. Doch als nach einem Sturm der Kontakt zu den Eltern wegbricht, steigt Sneaker aufs E-Board und lässt all das hinter sich – auf der Suche nach einer Landschaft, die es in der abgestorbenen Gegend gar nicht mehr gibt.
Im nächsten Ort ist noch alles wie gewohnt – bis auf Hittis Hund, der eigentlich verboten ist. In der kargen Ebene dahinter hört die Ordnung dann ganz auf: Die Bewohner einer Nachhaltigkeitssiedlung schrauben Spielzeuge zusammen und gleich wieder auseinander – nur Livt findet das genauso schräg. Auch die Kontrolldrohnen an der nächsten Wasserstation verhalten sich komisch: Sie ziehen Sneaker wegen Ressourcenverschwendung kostbare Klimapunkte ab, übersehen aber die zwei Leichen dort. Stattdessen heften sie sich an Sneakers Fersen ... Zum Glück naht mit Livt, selbst abgehauen, Unterstützung. Sie schließen sich der Gruppe der «Freien» an – und langsam öffnen sich Sneaker die Augen. Nicht nur, was die Wahrheit hinter der vermeintlich heilen Welt angeht, sondern mehr noch die menschliche Natur und die eigenen Gefühle. Plötzlich ist das Leben da, ganz ohne Blocker, und es steht alles auf dem Spiel.